VG Wort Pixel

Ayurveda Blog

Kapha-Störung: Symptome & Tipps, um sie zu reduzieren

Du fühlst Dich im Moment träge und unmotiviert, kämpfst mit ein paar Extra-Kilos und hast oft eine verstopfte Nase? Das sind klassische Symptome einer Kapha-Störung. Kapha steht im Ayurveda für Stabilität, Struktur und Gelassenheit: Aspekte, nach denen viele von uns sich manchmal sehnen. Wird das erdige Dosha zu stark, kann das aber zu einer Reihe von Problemen führen. Wir sagen Dir, wie Du eine Kapha-Störung erkennst und was Du tun kannst, um Dein Kapha zu reduzieren.

Was bedeutet Kapha-Störung?

Kapha ist eines der drei ayurvedischen Doshas. Vata, Pitta und Kapha sind Energiemuster, mit deren Hilfe wir im Ayurveda fast alles charakterisieren. Neben Menschen, Tieren und Lebensmitteln gehören dazu auch Jahreszeiten und Klimazonen. Jedes der drei Doshas steht für zwei der fünf Elemente im Ayurveda: Vata für Luft und Äther, Pitta für Feuer und Wasser und Kapha für Erde und Wasser. Jeder Mensch trägt alle drei Doshas in sich – allerdings zu unterschiedlichen Anteilen.

Eines der Grundprinzipien im Ayurveda ist die sogenannte Prakriti. Damit ist das individuelle Dosha-Gleichgewicht gemeint, mit dem Du geboren wirst. Vielleicht kennst Du die Prakriti unter dem Namen ayurvedische Konstitution. Sie bleibt Dein ganzes Leben lang gleich und ist so etwas wie Dein Idealzustand. Ein ayurvedischer Lebensstil zielt immer darauf ab, Deine Prakriti zu stabilisieren oder wiederherzustellen.

Weil wir Menschen immer von unserer Umgebung beeinflusst werden, kann sich das Dosha-Gleichgewicht verschieben. Dann entsteht eine Dysbalance oder Störung. Ist Deine Prakriti verschoben – zum Beispiel, weil Du Dich ungünstig ernährst oder gerade sehr viel Stress empfindest – sprechen wir von einer Vikriti. Diese Abweichung von Deiner natürlichen Balance gilt im Ayurveda als Ursache vieler Beschwerden und Krankheiten. Vermutest Du bei Dir selbst eine Kapha-Störung, ist es also sehr wichtig, für Ausgleich zu sorgen.

Das Kapha Dosha im Ayurveda

Kapha ist aus ayurvedischer Sicht das gemächlichste der drei Doshas. Wo Vata auf kreative Freiheit setzt und Pitta dabei ist, die höchsten Gipfel zu erklimmen, steht Kapha mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen. Kapha sorgt im Körper und im Geist für Struktur, Stabilität und Stärke. Die Eigenschaften (Gunas), die wir dem Kapha Dosha zuordnen, entsprechen denen der Elemente Erde und Wasser: Langsam, feucht, kühl, ölig, schwer und glatt.

Kapha sorgt im Körper für Feuchtigkeit und die richtige „Schmiere“. Das Lymphsystem, unser Wasserhaushalt und Aspekte wie Wachstum und der Aufbau von Gewebe werden hauptsächlich von Kapha gesteuert. Kapha ölt unsere Gelenke und hält Schleimhäute und Atemwege feucht. Ojas, die feinstoffliche Essenz von Kapha, steht im Ayurveda für Vitalität und Immunität. Ein gesundes Maß an Kapha ist also sehr wichtig: Es verhindert, dass wir schwach oder krank werden und vorzeitig altern.

Der Kapha-Typ im Ayurveda

Von einer Kapha-Konstitution sprechen wir, wenn ein Mensch eine Kapha-Prakriti hat – also seit seiner Geburt viele Elemente des Kapha Doshas in sich trägt. Wie genau sich die Doshas zeigen, ist individuell verschieden. Das ist ein Grund, warum es manchmal gar nicht so einfach ist, die Prakriti genau zu bestimmen. Trotzdem gibt es bestimmte Merkmale, die auf viele Menschen mit dieser Konstitution zutreffen.

Ein klassischer Kapha-Typ hat aus ayurvedischer Sicht einen eher großrahmigen Körperbau mit kräftigen Gelenken und symmetrischen Zügen. Zu glatter Haut und dichtem, glänzenden Haar kommen häufig große, dunkle Augen und volle Lippen. Kapha-Typen gelten als freundlich, zuverlässig, warmherzig und hilfsbereit. Sie lassen sich kaum aus der Ruhe bringen und begegnen anderen Menschen mit Geduld und Gelassenheit. Kurz gesagt: Kaphas sind loyale Gefährten, mit denen man Pferde stehlen kann.

Jedes der Doshas hat allerdings auch bestimmte Schwachstellen. Beim Kapha Dosha zählen dazu vor allem die Atemwege und der Stoffwechsel. Ist Kapha zu stark, kommt es häufig zu Schleim, Übergewicht und Insulinresistenz. Auf der geistig-emotionalen Ebene neigen Kapha-Typen zu Passivität: Bei Überforderung isolieren sie sich, igeln sich ein und stumpfen ab. Außerdem halten sie oft ein bisschen zu sehr an materiellen Dingen und Gewohnheiten fest. Sicheres Terrain zu verlassen und mal etwas Neues zu riskieren, fällt vielen Kapha-Menschen sehr schwer.

Eine Kapha-Störung kann jeden treffen

Am gesündesten sind wir, wenn die Doshas in ihrem natürlichen Gleichgewicht sind. Die Balance der Doshas ist aber nicht starr, sondern fließend: Sie verschiebt sich entsprechend der Bedingungen, unter denen wir leben. Von einer Kapha-Störung sprechen wir, wenn das Kapha-Dosha im Vergleich zu den beiden anderen Doshas zu stark wird. Der Begriff Dosha kann mit „Verderber“ übersetzt werden. Wird eines der drei zu stark, kann das zu Problemen und Krankheiten führen.

Ein Mensch, der mit einer Kapha-Konstitution geboren wird, hat naturgemäß ein höheres Risiko, eine Kapha-Störung zu entwickeln. Du bist ein Pitta- oder Vata-Typ und fühlst Dich vor einer Kapha-Störung sicher? Ganz so einfach ist es leider nicht: Prinzipiell kann jedes Dosha bei jedem Menschen überhandnehmen. Wenn Deine Ernährung und Dein Lebensstil sehr Kapha-verstärkend sind, ist es durchaus möglich, dass Du unter den typischen Symptomen einer Kapha-Dysbalance leidest – auch wenn Du von Natur aus eher ein Pitta-Typ bist.

Ein kurzer Hinweis: In diesem Text verwenden wir die Ausdrücke Kapha-Störung und Kapha-Dysbalance synonym. Genau genommen ist eine Kapha-Störung aber die Folge einer unbehandelten Kapha-Dysbalance. Während wir eine Kapha-Dysbalance durch einen Kapha-balancierenden Lebensstil oft relativ einfach ausbalancieren können, haben Menschen mit einer manifesten Kapha-Störung oft ernsthafte Beschwerden. Das erfordert die Unterstützung eines erfahrenen Ayurveda-Therapeuten.

Mögliche Ursachen einer Kapha-Dominanz

Charakteristisch für das Kapha-Dosha sind Bodenhaftung, Struktur und Stabilität. Während diese Attribute im richtigen Maß sehr positiv sind, können sie auch zu viel werden. Kapha-Typen lieben ihre Komfortzone und neigen zu Lethargie, Anhaftung und Maßlosigkeit. Für sie ist es deshalb sehr wichtig, sich regelmäßig aufzuraffen und sich immer mal neuen Herausforderungen zu stellen. Natürlich brauchen auch Kapha-Typen Phasen der Ruhe – sie sollten nur darauf achten, dass der innere Schweinehund nicht ständig das Ruder übernimmt.

Mögliche Ursachen einer Kapha-Dominanz:

  • Zu viel Schlaf (dazu zählen auch der klassische Mittagsschlaf)
  • Bewegungsmangel
  • Zu häufige Mahlzeiten oder ständiges Snacken
  • Sehr schweres, fettes und süßes Essen
  • Zu wenig geistige Inspiration oder Stimulation
  • Eine zu starre Routine und fehlende Abwechslung
  • Feuchtes, kaltes Klima (der späte Winter und frühe Frühling sind Kapha-Zeit)
  • Ein starker Fokus auf Materielles

Die Symptome einer Kapha-Störung

Wird das Kapha Dosha zu dominant, wird aus Gelassenheit Trägheit und aus Genuss Überfluss. Das starke Sicherheitsbedürfnis von Kapha kann uns unflexibel machen. Wir kapseln uns ab, unser Aktionsradius wird immer kleiner und wir sitzen allzu fest in unserer behaglichen Komfortzone. Alles erscheint uns plötzlich anstrengend: Auf der Couch mit einer Tüte Chips, Eiscreme oder Pizza ist es doch viel gemütlicher als draußen. Fast Food, Süßigkeiten, Bewegungsmangel und Fernsehen sind die Kapha-Verstärker der modernen Welt.

Bei einer Kapha-Störung zeigen sich die folgenden Symptome:

  • Heißhunger, Binge-Eating oder Appetitlosigkeit
  • Antriebslosigkeit und Lethargie
  • Sozialer Rückzug
  • Dicker weißer Belag auf der Zunge
  • Übergewicht
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Insulinresistenz und Diabetes mellitus
  • Wassereinlagerungen, Ödeme und Lymphstau
  • Durchblutungsstörungen
  • Atemwegsprobleme mit übermäßiger Schleimbildung
  • Allergien und Asthma
  • Depression und Melancholie
  • Verlangsamte Bewegungen
  • Verdauungsstörungen, oft in Verbindung mit Schleim
  • Juckreiz
  • Taubheitsgefühle

Kapha reduzieren: Was Du tun kannst

Bei einer Kapha-Störung denken wir immer an Überschuss, Schleim, Verklebungen, Stoffwechselrückstände und Stagnation. Das kann gefährlich werden: Hinter vielen Zivilisationskrankheiten steckt aus ayurvedischer Sicht eine Kapha-Störung. Wichtig ist es also, Altlasten loszuwerden und neuen Schwung zu generieren. In erster Linie geht es darum, Agni anzuregen und eventuelles Ama zu lösen und auszuleiten.

Die Elemente, die dem Kapha Dosha fehlen, sind Feuer, Luft und Raum: Wir wollen also für mehr Leichtigkeit sorgen und die Flamme des Lebens anheizen. Das Wichtigste bei einer Kapha-Störung ist deshalb Bewegung – am besten an der frischen Luft. Wenn Dir das sehr schwerfällt, fang ruhig klein an. Statt Dir zu viel auf einmal vorzunehmen, drehst Du vielleicht erst einmal eine Runde um den Block. Das Ziel ist schließlich nicht, plötzlich zum Leistungssportler zu werden: Was zählt, ist, dass Du anfängst – und dranbleibst.

Tipps, um Kapha zu senken:

  • Stehe vor 6 Uhr morgens auf und schlafe maximal 8 Stunden
  • Trinke nach dem Aufstehen ein Glas warmes Ingwerwasser
  • Beginne den Tag mit etwas Bewegung, zum Beispiel mit dem yogischen Sonnengruß
  • Probiere anregende Atemtechniken wie Kaphalabhati oder Bhastrika
  • Verzichte darauf, Dich tagsüber hinzulegen
  • Vermeide Snacks und Zwischenmahlzeiten
  • Stehe öfter mal vom Schreibtisch auf
  • Nimm die Treppe statt des Aufzugs
  • Starte eine kleine Spaziergeh-Routine
  • Such Dir eine neue Sportart, am besten mit einem Trainingspartner
  • Bring Abwechslung in Dein Leben: Mach einen Kurs, probiere ein neues Hobby aus oder engagiere Dich ehrenamtlich
  • Miste Deine Schränke aus und schaffe Platz für Neues
  • Integriere Bürstenmassagen oder buche eine anregende Kräutermassage
  • Versuche Nasya, die ayurvedische Nasenreinigung

Kapha mit der Ernährung beruhigen

Wenn Du eine Kapha-Störung hast, orientierst Du Dich beim Essen am besten an den Tipps für eine Kapha-Ernährung. Das gilt auch dann, wenn Du eigentlich ein Vata- oder Pitta-Typ bist. Sobald eine Störung vorhanden ist, behandeln wir diese zuerst. Der scharfe, herbe und bittere Geschmack reduziert Kapha: Bei so ziemlich allen Gewürzen darfst Du also gerne beherzt zugreifen. Süße und salzige Aromen können Kapha dagegen verstärken.

Die wichtigste Ernährungsregel bei einer Kapha-Störung lautet: Versuche, auf Süßigkeiten, Fast Food und sehr fettige Speisen zu verzichten. Alkohol, Fleisch, kalte Getränke und Rohkost können ein ohnehin schwaches Agni zusätzlich belasten. Milchprodukte wirken schleimbildend und sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen.

Wir empfehlen Dir pro Tag zwei bis drei warme, leicht verdauliche Mahlzeiten mit viel frischem Gemüse, Hülsenfrüchten und anregenden Gewürzen. Deine Hauptmahlzeit nimmst Du am besten mittags zwischen 10 und 14 Uhr ein: Dann ist Dein Agni am stärksten.

Achte darauf, dass mindestens zwei Stunden (besser mehr) zwischen dem Abendessen und dem Schlafengehen liegen. Kaphas dürfen ruhig auch mal eine Mahlzeit auslassen, ein Tag Fasten ist ebenfalls in Ordnung. Wichtig ist auch, Deinen Magen nur zu etwa zwei Dritteln zu füllen: Damit vermeidest Du, dass sich weiteres Ama ablagert.

Kapha-senkende Lebensmittel:

  • Getreide: Gerste, Hirse, Buchweizen, Roggen, Quinoa, roter Reis (in moderaten Mengen)
  • Hülsenfrüchte: Alle Hülsenfrüchte außer schwarzen Linsen und weißen Bohnen
  • Gemüse: Kohl, Rettich, Chicorée, Radicchio, Bohnen, Artischocken, alle Blattgemüse, Brokkoli, Spargel, Zucchini, Sellerie, Lauch, Rote Beete, Aubergine
  • Obst: Granatapfel, herbe Apfel- und Birnensorten, Grapefruit, Beeren, Papaya, Zitrone, Orange, Limone, Mango, Pfirsich
  • Nüsse und Saaten: Sonnenblumen- und Kürbiskerne (in kleinen Mengen)
  • Öle: Ghee, Olivenöl (kleine Mengen)
  • Süßungsmittel: Honig (in kleinen Mengen)
  • Gewürze und Kräuter: Chili, Pfeffer, Meerrettich, Senf, Ingwer, Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander, Kardamom, Nelken, Zimt, Asafoetida

Fazit: Eine Kapha-Störung beheben

Etwas mehr Kapha täte uns in unserer hektischen Vata-Pitta-Welt sicher ab und zu ganz gut. Einfach mal ein bisschen langsamer machen, mehr Pausen einbauen und ganz bei sich selbst bleiben. Wie sagte Astrid Lindgren so schön: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hinzuschauen.“ Kaphas, die in ihrem Gleichgewicht sind, sind nicht faul – sie schätzen es einfach, Dinge in ihrem Rhythmus und Tempo tun zu können.

Schwierig wird es im Ayurveda immer dann, wenn eines der drei Doshas zu dominant wird. Eine Kapha-Störung äußert sich oft durch Antriebslosigkeit, Depression, Verschleimung und Übergewicht. Wird sie nicht behandelt, können sich daraus viele der typischen Zivilisationskrankheiten entwickeln.

Wenn Du merkst, dass Dein Kapha die Oberhand gewinnt (und das kommt bei uns allen mal vor) ist Aktivität die beste Medizin. Gehe raus vor die Tür, triff Dich mit lieben Menschen und probiere neue Dinge aus. Nichts verstärkt das Kapha Dosha so sehr wie starre Gewohnheiten und fehlende Inspiration. Mit einer Kapha-senkenden Ernährung trägst Du zusätzlich dazu bei, dass Du neben Erdung auch Feuer und Leichtigkeit in Deinem Alltag spürst.

Du willst mehr über die ayurvedischen Grundprinzipien erfahren? Dann melde Dich gleich für Deinen kostenlosen Testzugang zu unserem Onlinekurs „Ayurveda Essentials“ an! Wir nehmen Dich mit auf eine spannende Reise in die Welt des ältesten Heilsystems der Erde. Freu Dich auf Wissen, das Du für den Rest Deines Lebens anwenden kannst!

Tauche tiefer ein in die Welt des Ayurveda

Weitere spannende Artikel aus dem Ayurveda

Gesundheit im Winter: Ayurveda-Tipps für kalte Tage

Gesundheit im Winter: Ayurveda-Tipps für kalte Tage

Der Winter hüllt die Welt in eine stille, frostige Umarmung. Das kann wunderschön sein, trotzdem ist die kalte Jahreszeit für viele Menschen eine echte Herausforderung. Wenn das Vata Dosha das Ruder übernimmt, liegen trockene Haut und eine erhöhte Infektanfälligkeit an der Tagesordnung. Der Ayurveda bietet eine Reihe an sanften, aber effektiven Methoden, die Dich im Winter nähren und Dir Wärme spenden. Wir sagen Dir, worauf es ankommt.

mehr lesen
Ayurvedische Kekse: Gesunde Dinkel-Gewürzplätzchen (mit Rezept)

Ayurvedische Kekse: Gesunde Dinkel-Gewürzplätzchen (mit Rezept)

Sind süße Leckereien im Ayurveda erlaubt? Die Antwort lautet ganz klar: Ja! Unsere ayurvedischen Kekse nähren Körper, Geist und Seele, ohne Dich zu beschweren. Hier erfährst Du, wie der Ayurveda Süßigkeiten einordnet, wie sie auf die Doshas wirken und worauf Du achten musst, um im Gleichgewicht zu bleiben. Natürlich haben wir auch ein Rezept für Dich!

mehr lesen