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Ayurvedische Gewürze: Wirkung, Verwendung & Grundausstattung

Gewürze im Ayurveda sind so etwas wie das Herzstück der Küche. Sie sorgen nicht nur für die betörenden Aromen ayurvedischer Gerichte, sondern sind immer auch Heilmittel. Alle ayurvedischen Gewürze haben eine bestimmte Wirkung auf die Gesundheit und können helfen, die Doshas zu balancieren. Du willst wissen, was die wichtigsten ayurvedischen Gewürze sind und welche Du als Grundausstattung für die Ayurveda-Küche brauchst? Hier findest Du alle Antworten.

Ayurveda-Gewürze: Eine Schatzkiste voller Kostbarkeiten

Welche Gewürze fallen Dir ein, wenn Du an die typisch deutsche Küche denkst? Wahrscheinlich Salz, Pfeffer und vielleicht noch Petersilie. Im Ayurveda spielen Gewürze eine viel größere Rolle: Sie sind so etwas wie das Herzstück der ayurvedischen Küche. Jede Mahlzeit, die Du nach ayurvedischen Rezepten kochst, ist ein Wunderwerk an unterschiedlichen Aromen.

Durch die Gewürze sind ayurvedische Gerichte nicht nur unglaublich lecker und überraschend vielseitig: Kräuter und Gewürze gelten im Ayurveda auch als wichtige Heilmittel. Mit jeder Prise Zimt, Pfeffer oder Koriander, die Du verwendest, veränderst Du die Wirkung Deiner Mahlzeit auf Deine Gesundheit. Schon kleine Mengen machen dabei einen großen Unterschied.

Mit ayurvedischen Gewürzen kannst Du Gerichte „ayurvedisieren“ und verträglicher machen. Außerdem helfen sie Dir, Deine Gerichte auf Deine ayurvedische Konstitution abzustimmen. Genau wie alle anderen Lebensmittel können auch Gewürze die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha entweder verstärken oder besänftigen.

Ayurvedische Gewürze und die sechs Geschmacksrichtungen

Ein Grundprinzip der Ayurveda-Ernährung ist außerdem, dass jede Mahlzeit möglichst alle sechs Geschmacksrichtungen beinhalten sollte.

Die sechs ayurvedischen Geschmäcker sind:

  • Süß
  • Sauer
  • Salzig
  • Scharf
  • Bitter
  • Herb (adstringierend)

Ein ausgeglichenes Verhältnis der sechs Geschmacksrichtungen macht Deine Mahlzeit besonders nährend und sorgt dafür, dass Du Dich lange satt und zufrieden fühlst. Dabei zählen sowohl die verwendeten Lebensmittel als auch die Gewürze. Wenn Du zum Beispiel merkst, dass in einem Gericht der scharfe Geschmack fehlt, kannst Du es mit einer Prise Pfeffer, Ingwer oder Chili harmonisieren.

Wichtige Gewürze im Ayurveda

Was wir beim Ayurveda Campus in Schwerin immer wieder hören, ist die Aussage, dass die ayurvedische Küche so aufwendig ist. Manche Rezepte enthalten Gewürze, von denen gerade Ayurveda-Anfänger wahrscheinlich noch nie gehört haben.

Es stimmt: Gerade aus westlicher Sicht scheint das Spektrum der ayurvedischen Gewürze und Kräuter fast unendlich. Sie alle aufzuzählen, würde viel zu lange dauern. Aber wenn man sich typische ayurvedische Rezepte ansieht, stellt man schnell fest, dass es einige Kern-Gewürze gibt, die sich häufig wiederholen. Die wichtigsten stellen wir Dir im Folgenden vor.

Ajwain / Ajowan / Karambolsamen: Viele Namen, große Wirkung

Ajowan ist eine Pflanze aus der Familie der Doldenblütler, die vermutlich aus dem Mittelmeerraum stammt. Zum Kochen verwenden wir die getrockneten Samen: Sie schmecken ein bisschen wie eine Mischung aus Thymian und Kümmel. Ajowan hat ein relativ intensives, scharfes und leicht bitteres Aroma, das aber beim Kochen etwas milder wird.

Aus ayurvedischer Sicht macht Ajowan schwer verdauliche Speisen bekömmlicher. Traditionell verwenden wir ihn deshalb gerne in Kombination mit Hülsenfrüchten. Ajowan lindert Krämpfe, Blähungen und Völlegefühl. Außerdem regt er Blutfluss und Kreislauf an und unterstützt Nieren und Atemwege. Weil Ajowan das Pitta Dosha verstärken kann, sollten Pitta-Typen ihn sparsam einsetzen.

Geschmack: Bitter, scharf
Thermische Wirkung: Erhitzend

Koriander: Samen und Blattgrün schmecken unterschiedlich

Na, gehörst Du zum Team Koriander oder ist das grüne Kraut Dein erklärter Erzfeind? Falls Du den Geschmack von Korianderblättern nicht magst, probiere trotzdem mal die Samen aus: Sie schmecken ganz anders und sind ein sehr wichtiges ayurvedisches Gewürz.

Koriander beruhigt den Magen und kann Entzündungen lindern. Davon profitieren alle drei Doshas, ganz besonders aber Pitta. Die ätherischen Öle im Koriander helfen gegen Bakterien und Pilze und unterstützen bei Kopfschmerzen und Hautproblemen.

Geschmack (Rasa): Süß, scharf, bitter, herb
Thermische Wirkung: Kühlend

Asafoetida (Hing): Ersatz für Zwiebeln und Knoblauch

Viele ayurvedische Gewürze unterstützen die Arbeit des Verdauungstrakts: Eines der wichtigsten ist Hing bzw. Asafoetida. Das Harz der Asant-Pflanze wird manchmal auch Teufelsdreck genannt. Bei handelsüblichen Produkten ist es in der Regel mit Bockshornklee gemischt.

Vorsicht: Der Geruch ist sehr gewöhnungsbedürftig! Geschmacklich ist Asafoetida aber ein toller (und bekömmlicherer) Ersatz für Zwiebeln und Knoblauch. Asafoetida wird in sehr, sehr kleinen Mengen eingesetzt, weil das Aroma äußerst intensiv ist.

In der richtigen Dosierung beugt es Verdauungsproblemen nach dem Essen vor und kann den Blutzuckerspiegel regulieren. Asafoetida ist ein tolles Gewürz für Vata- und Kapha-Typen, kann aber Pitta verstärken.

Geschmack (Rasa): Scharf
Thermische Wirkung: Erwärmend

Bockshornklee (Fenugreek): Charakteristischer Geschmacksgeber

Dieses bescheidene Gewürz mit dem lustigen Namen wird häufig unterschätzt: Dabei zählt Bockshornklee zu den wichtigsten Gewürzen des Ayurveda. Die kleinen, gelblichen Samen sind hocharomatisch und verleihen vielen typisch indischen Gerichten den charakteristischen Geschmack.

Als ayurvedisches Heilmittel eignet sich Bockshornklee besonders für Vata- und Kapha-Typen. Er kann Fieber senken, stärkt das Verdauungsfeuer, reinigt das Blut und erdet Körper und Geist. Der Ayurveda verwendet den Bockshornklee traditionell, um den Milchfluss stillender Mütter anzuregen und die Libido zu stärken.

Geschmack (Rasa): Bitter, scharf, herb
Thermische Wirkung: Erwärmend

Fenchel: Süß und krampflösend

Ähnlich wie der Koriander ist Fenchel ein Gewürz, das die Menschheit spaltet: Entweder man liebt das süße Aroma oder nicht. Wenn wir von Fenchel als Ayurveda-Gewürz sprechen, meinen wir damit die getrockneten Fenchelsamen. Du kannst sie entweder mit dem Mörser leicht zerstoßen und beim Kochen verwenden – oder Du kaust sie direkt nach dem Essen. Dieser alte Ayurveda-Tipp hilft, Blähungen und Krämpfen vorzubeugen.

Fenchel unterstützt die Darmtätigkeit und wirkt bei Menstruationsbeschwerden entspannend. Dank der enthaltenen ätherischen Öle kann er auch Erkältungen lindern: Vielleicht kennst Du ja den Fenchelhonig, in dem Fenchel und Honig synergetisch wirken. Fenchel ist eines der wenigen Gewürze, die sich für alle drei Dosha-Typen eignen.

Geschmack (Rasa): Süß, leicht bitter und scharf
Thermische Wirkung: Kühlend

Ingwer: Frisch oder getrocknet?

Der Ingwer zählt zu den wichtigsten und meistverwendeten Gewürzen im Ayurveda. Vielleicht hast Du das klassische warme Ingwerwasser schon einmal ausprobiert: Gleich morgens nach dem Aufstehen getrunken, kurbelt es den Stoffwechsel an und unterstützt die körpereigene Entgiftung.

Ingwer regt die Verdauung an, stärkt das Immunsystem, fördert den Appetit und wirkt schleimlösend. Als ayurvedisches Gewürz unterscheiden wir allerdings getrockneten und frischen Ingwer. Frischer Ingwer ist schärfer und verstärkt das Pitta Dosha. Die getrocknete Variante ist milder und süßer.

Geschmack (Rasa): Scharf, süß (nur getrockneter Ingwer)
Wirkung: Erwärmend

Kardamom: Aromatisches Tridosha-Gewürz

Kardamom wird in Deutschland höchstens mal in der Weihnachtsbäckerei verwendet: Im Ayurveda ist das Gewürz aber eines der wichtigsten. Die herbe und gleichzeitig süß-fruchtige Aroma der schwarzen Samen passt wunderbar zu süßen und herzhaften Gerichten. Und was wäre ein Chai-Tee ohne Kardamom-Note?

Kardamom enthält viele ätherische Öle, die antibakteriell, schleimlösend, verdauungsfördernd und stimmungsaufhellend wirken. Auch Kardamom passt zu allen Doshas: Weil dieses Ayurveda-Gewürz eine kühlende Wirkung hat, eignet es sich sehr gut für Pitta-Typen. Bei Pitta-typischen Beschwerden wie Sodbrennen kann er für Linderung sorgen.

Geschmack (Rasa): Süß, scharf, bitter
Thermische Wirkung: Kühlend

Kurkuma: Der Gelbwurz ist ein Allround-Talent

Kurkuma brauchen wir nicht nur für die Goldene Milch: Die kleine Knolle mit der intensiven gelben Farbe ist aus der indischen und ayurvedischen Küche wirklich kaum wegzudenken. Der Kurkuma, im Deutschen manchmal auch Gelbwurz genannt, ist ein echtes ayurvedisches Superfood: Er wirkt antientzündlich, antibakteriell, entgiftend, antientzündlich, blutzuckerregulierend und verdauungsfördernd.

Wie wertvoll der Kurkuma ist, hat inzwischen auch die westliche Wissenschaft erkannt. Während moderne Studien sich aber vor allem auf den Wirkstoff Curcumin konzentrieren, nutzen wir im Ayurveda am liebsten die ganze Pflanze. So profitieren wir vom gesamten Wirkstoffspektrum und allen Synergien. Prinzipiell eignet sich der Kurkuma für alle Doshas, Pittas sollten ihn aber etwas sparsamer dosieren.

Geschmack (Rasa): Scharf, bitter, adstringierend
Thermische Wirkung: Erhitzend

Kreuzkümmel (Cumin): Anregend und entgiftend

Kreuzkümmel verfeinert Suppen, Currys und viele andere herzhafte ayurvedische Gerichte. Weil er, wie viele andere ayurvedische Gewürze, die Verdauung unterstützt, nutzen wir ihn gerne, um Gerichte mit Hülsenfrüchten zu verfeinern. Weil das hervorragend funktioniert, finden wir diese Kombination auch in anderen Küchen der Welt: Was wäre Hummus ohne eine Prise Kreuzkümmel?

Kreuzkümmel schmeckt wunderbar kräftig, hilft Leber und Nieren und unterstützt die Nährstoffaufnahme im Darm. Außerdem hat er eine erdende Wirkung auf den Körper – und auf die Psyche: Kreuzkümmel kann Stress lindern und sowohl die Konzentration als auch die Gedächtnisleistung verbessern. Auch hier gilt: Pittas sollten es mit der Menge nicht übertreiben.

Geschmack (Rasa): bitter, scharf, adstringierend
Thermische Wirkung: Erwärmend

Safran: Senkt Pitta und hebt die Stimmung

Viele ayurvedische Kräuter und Gewürze können im Übermaß das Pitta Dosha zu sehr anfachen. Eine der Ausnahmen ist Safran: Das teuerste Gewürz der Welt gilt als eines der besten ayurvedischen Gewürze, um das feurige Dosha zu besänftigen. Weil Safran auch Vatas und Kaphas guttut, zählt der zu den wenigen Tridosha-Gewürzen des Ayurveda.

Safran kann helfen, die Hormone zu regulieren und PMS-Beschwerden sowie Entzündungen lindern. Er reinigt das Blut, unterstützt Magen, Leber und Nieren und gilt als Rasayana, also als ayurvedisches Verjüngungsmittel. Die westliche Wissenschaft interessiert sich besonders für die stimmungsaufhellende Wirkung des Safrans. Im Ayurveda gilt das Gewürz schon lange als wertvolles Heilmittel bei Depressionen und Erschöpfung.

Geschmack (Rasa): Süß, scharf, bitter
Thermische Wirkung: Leicht erwärmend

Ayurvedische Kräuter und die Doshas

Du weißt ja schon, dass wir mit Gewürzen auch die Wirkung von Mahlzeiten verändern können. Dafür musst Du natürlich wissen, welches Gewürz für Deinen Dosha-Typ besonders günstig ist. Falls Du Deine ayurvedische Konstitution noch nicht kennst, hilft Dir vielleicht unser Blogbeitrag zu den drei Doshas. Den eigenen Ayurveda-Typ zu bestimmen, ist gar nicht so einfach – macht aber wirklich großen Spaß!

Sobald Du weißt, welches Dosha in Dir dominiert, kannst Du gezielt ayurvedische Gewürze auswählen, die für mehr Balance sorgen. Ein Beispiel: Falls Du ein Vata-Typ bist, können Hülsenfrüchte zu Verdauungsproblemen führen. Indem du Gewürze wie Kreuzkümmel und Fenchel zugibst, kannst Du diesen Effekt reduzieren. Kapha-Typen können Mahlzeiten, die eigentlich etwas zu schwer sind, mit etwas Chili, Pfeffer oder Ingwer eine anregende Wirkung geben.

Grundsätzlich kann jeder Ayurveda-Typ jedes Gewürz verwenden. Wir empfehlen Dir einfach, die Menge auf Deine Konstitution abzustimmen. Falls Du aktuell ein starkes Dosha-Ungleichgewicht oder eine Krankheit hast, solltest Du für eine Weile die Gewürze weglassen, die die Probleme verstärken könnten.

Wichtige Gewürze für die Dosha-Balance:

  • Vata-Gewürze: Wärmende, beruhigende und süße Gewürze wie Anis, Zimt, Fenchel, Asafoetida, Kardamom, Nelke, Kreuzkümmel oder Safran
  • Pitta-Gewürze: Kühlende, ausgleichende und bittere Gewürze wie Safran, Kardamom, Koriander, Kurkuma oder Basilikum
  • Kapha-Gewürze: Anregende, wärmende, scharfe und bittere Gewürze wie Asafoetida, Pfeffer, Kardamom, Chili, Anis oder Ingwer

Ayurveda-Gewürze: Die Grundausstattung

Die wichtigsten Gewürze der ayurvedischen Küche kennst Du jetzt also. Hast Du immer noch das Gefühl, dass es viel zu viele sind? Wir verstehen, dass nicht jeder gleich am Anfang viel Geld in unbekannte Gewürze investieren möchte. Deshalb machen es Dir noch etwas leichter: Falls Du gerade erst damit beginnst, ayurvedisch zu kochen, reicht nämlich eine Grundausstattung.

Sobald Du Dir sicher bist, dass Du dabeibleibst, kannst Du sie um weitere Gewürze ergänzen. Bei den meisten ayurvedischen Rezepten ist es auch nicht schlimm, wenn Du ein oder zwei Gewürze weglässt.

Ayurvedische Gewürz-Einkaufsliste:

  • Ingwer
  • Kreuzkümmel
  • Kurkuma
  • Koriander
  • Kardamom
  • Zimt
  • schwarzer Pfeffer
  • Steinsalz

Ergänzende Ayurveda-Gewürze:

  • Ajowan
  • Nelke
  • Asafoetida (Hing)
  • Bockshornklee (Fenugreek)
  • Safran
  • Fenchel
  • Pippali
  • Chili
  • Anissamen
  • Senfsamen

Fazit: Ayurvedische Kräuter und Gewürze

Gewürze sind fast so etwas wie das Herzstück der ayurvedischen Küche: Sie sind nicht nur Geschmacksgeber, wir verwenden sie vor allem auch wegen ihrer heilenden Wirkung. Denn Essen ist im Ayurveda immer auch Medizin.

Welches Gewürz das richtige für Dich ist, hängt von Deiner Konstitution ab. Bitte beachte hierbei, dass wir im Ayurveda zwischen der Geburtskonstitution (Prakriti) und der aktuellen Konstitution (Vikriti) unterscheiden. Im Idealfall helfen ayurvedische Gewürze Dir, die beiden zu harmonisieren.

Damit die Gewürze richtig wirken, bereiten wir sie im Ayurveda auf eine ganz bestimmte Weise zu: In der Regel verwenden wir die ganzen Samen und zerkleinern sie erst direkt vor der Zubereitung mit einem Mörser. Anschließend rösten wir sie vorsichtig in etwas Ghee an, um die Wirkung zu verstärken. Das geht natürlich auch mit gemahlenen Gewürzen – die verbrennen allerdings leichter.

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